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Frankenfelde am Übergang von der späten Bronze- zur  frühen Eisenzeit

 

Während der Erschließung des Ortes Frankenfelde, Kreis Teltow-Fläming, in den Jahren 2001 und 2002 wurden die Abtiefungsarbeiten von Archäo Kontrakt archäologisch begleitet. Bei der Untersuchung der insgesamt über 2000 m langen Gräben konnte eine Vielzahl von Siedlungsbefunden erfasst und dokumentiert werden.

Der Vergleich mit der im vorletzten Jahr untersuchten spätbronzezeitlichen Siedlung von Blankensee erlaubte, trotz der Beschränkung der Untersuchungen auf die Grabenprofile, einige interessante Einblicke.

Frankenfelde liegt westlich von Luckenwalde auf einem Sporn am Nordostrand eines nach Süden und Westen hin entwässernden Niederungsgebietes. Am gegenüber liegenden Westrand der Niederung, 800 m vom heutigen Dorf entfernt, liegt der slawische Burgwall von Frankenfelde, auf dem auch frühdeutsche Funde gemacht worden sind. Ein kleines Dorf mit slawischer und frühdeutscher Keramik lag ganz in der Nähe, Fpl 4.

 

Die Hauptstraße verband wohl ursprünglich Luckenwalde und den Burgwall. Heute biegt die Hauptstraße an der Kirche nach Süden ab, die alte Straße ist nur noch als Feldweg erhalten. Der Ort wurde erst 1258 in den Schriftquellen erwähnt.

Die wenigen mittelalterliche Befunde konnten nur in einem kleinen Bereich der untersuchten Flächen nachgewiesen werden. Dazu gehörten zwei Kastenbrunnen. Sie dürften von einem älteren Ausbauzustand der Siedlung stammen. Die dendrochronologische Datierung eines der Brunnen auf das Jahr 1234 lässt an ein erstes Dorf an dieser Stelle spätestens in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts denken. Der heutige Grundriss wäre, diesem Gedanken folgend, erst nach dem Kauf des Dorfes durch das Kloster Zinna im Jahr 1258 entstanden.

Während im Nordteil des Dorfes ausschließlich neuzeitliche Befunde erfasst wurden, konnten im Südteil auch ältere Siedlungsreste nachgewiesen werden.

Zur Siedlungsphase I zählten vier ältere Kulturschichten, die aber jeweils nur eine begrenzte Ausdehnung aufwiesen. Eine Reihe von Gruben und Feuerstellen schnitten oder durchstießen sie. Die räumliche und stratigraphische Position vieler Gruben legte nahe, sie einem mittleren Ausbaustadium der Siedlung zuzuweisen, der Phase II.

Vor der nächsten Besiedlung schien eine großflächige Planierung statt gefunden zu haben. Der Niederschlag dieser letzten Siedlungsphase, eine flächig auftretende Kulturschicht, und die stratigraphisch zuzuordnenden Gruben, wurden in die Phase III gesetzt.

Nach dem Auftreten kleiner Gruppen von Höfen in der Phase I, hätte ein Ausbau stattgefunden, Phase II.  Die flächendeckende Kulturschicht, Phase III, wäre dementsprechend als Niederschlag eines größeren, neu errichteten Dorfes zu deuten.

Im Folgenden sollen stellvertretend einige der Siedlungsgruben vorgestellt werden. In Profil 12 wurde eine etwa 80 cm breite und knapp einen Meter tiefe Grube mit ebenem Boden festgehalten. Zuunterst war eine dunkle Nutzungs- oder Brandschicht zu erkennen, darin Reste einer Herdstelle aus Lehm und Steinen. Leider war nicht eindeutig zu entscheiden, ob dieser Befund in situ lag oder erst nachträglich bei der Verfüllung in die Grube gelangt war. Aus der Nutzungsschicht konnten spätbronzezeitliche Keramik sowie einige Webgewichten geborgen werden.

Vermutlich handelte es sich bei der Grube um eine schräg angeschnittene Webgrube, den eingetieften Standort eines Webstuhls. Allerdings könnten die Herdreste auch auf Wohnfunktionen hinweisen. Eine Deutung als Grubenhaus mit Herdstelle und Webstuhl wäre somit ebenso denkbar. Angesichts des kleinen erfassten Stücks der Grube war eine sichere Deutung nicht möglich.

An sechs weiteren Stellen wurden Konzentrationen durchglühter Feldsteine zusammen mit gebranntem Lehm und Brandresten erfasst. Von zwei flächig freigelegten Konstruktionen war die eine annähernd rechteckig, die Andere eher rundlich.

Profil 39 zeigte eine muldenförmige Grube, die durch eine Lage Feldsteine mit darüber liegendem, gebrannten Lehm überdeckt war. Die Passgenauigkeit des Lehms an den Steinen, der während des Gebrauches verziegelt war, schloss eine spätere Verlagerung der Konstruktion aus. Die glatte Oberfläche der Lehmplatte ließ darauf schließen, das es sich hierbei um den Rest eines Ofens handelte, die Steine hätten entsprechend als Hitzespeicher gedient.

Der Randbereich des Ofens war schlechter erhalten als das Zentrum, vermutlich weil am Rand die Temperaturen nicht so hoch waren und der Lehm nur oberflächlich verziegelt war. Deswegen konnten auch keine Reste der aufgehenden Konstruktion nachgewiesen werden.

Beim Versuch einfache Feuerstellen von Herden oder Öfen zu unterscheiden fiel auf, dass die meisten Beispiele in oder über kleineren Gruben lagen. Bei fünf von sieben Steinpackungen wurde darunter mindestens eine solche Grube nachgewiesen. Diese Gruben waren etwa gleich Groß und enthielten ähnliches Füllmaterial, jeweils aschehaltiger Boden, z.T. mit Brandresten.

Es lag nahe hier einen funktionalen Zusammenhang zu vermuten. Die Gruben ließen sich, der Deutung der Steinpackungen als Öfen folgend, im Sinne von Asche- und Arbeitsgruben von Vorgängeröfen interpretieren. Die Öfen wären also jeweils nur leicht verschoben am selben Standort wieder errichtet worden.

Die Beibehaltung von Ofenstandorten über z.T. mehrere Erneuerungsphasen hinweg ließe den Schluss auf eine Dauerhaftigkeit der Nutzungsmuster innerhalb der Siedlung zu, die kaum ohne feste Grundstücksgrenzen denkbar wären. 

Auffällig war auch eine Gruppe von 17 breiteren Gruben mit ebenem Boden. Der glatte Boden und die steilen Wände ließen an Grubenhäuser denken, zumal die erfassten Breiten von bis zu 4,5 m auch von der Größe her passen würden. Viele der Gruben schienen aber schräg angeschnitten worden zu sein. Als untere Abgrenzung für die Zusammenstellung der Befunde wurde eine Mindestbreite am Boden von 1,5 m gewählt, um sie so von den schmaleren, zylindrischen Vorratsgruben abzutrennen.

Sieben Mal traten bei diesen Gruben rampenartig verlaufende oder abgetreppte Randbereiche auf, die vermutlich als Zugang diente. Kleinere Gruben im Inneren könnten als Vorrats- oder Kühlgrube genutzt worden sein.

Wegen der Tiefe der Befunde und erheblicher Probleme mit Grund-, Regen- und Schichtenwasser konnten die Gruben aber nicht flächig freigelegt werden, so dass keine letztendliche Sicherheit hinsichtlich der Deutung als Grubenhaus bestand. Deswegen, und wegen des fehlenden Nachweises einer dachtragenden Konstruktion, wurden diese Gruben neutraler als Hausgruben bezeichnet.

Außerdem wurden noch 16 spätbronzezeitliche Vorratsgruben erfasst, also Anlagen zylindrischer Form mit einem Durchmesser um 1 Meter. Allerdings erreichten nur wenige der Anlagen die übliche Tiefe von um einen Meter. Ähnlich wie für die Gruben aus Blankensee möchte ich daraus auf Abplanierungen schließen, bei denen die oberen Teile der Gruben zerstört worden waren.

Daneben wurden noch einige unregelmäßige Gruben und ein paar Pfostenlöcher angeschnitten, die aber nicht zu Gebäudefluchten zusammen gesetzt werden konnten.

Funde

Insgesamt wurden bei den archäologischen Untersuchungen 1.474 Funde geborgen, davon 1.216 Scherben Keramik. Den größten Anteil daran hatten die urgeschichtlichen Funde, gefolgt von den neuzeitlichen. Mittelalterliches Material trat dagegen eher selten auf.

 

Bei der urgeschichtlichen Keramik ABB. 2 handelte es sich in der Regel um eine grob gemagerte handgeformte Ware, mit Wandstärken um 0,7 bis 1,0 cm, die oxydierend und weich gebrannt worden war. Meist wurden die Gefäße bis auf eine Zone von etwa 3 – 6 cm unter der Randlippe mit einem Tonschlicker überzogen, der die Gefäßwand außen aufraute. Die seltenen glattwandigen Gefäße waren noch seltener verziert, meist trat Kamm- oder Besenstrich auf, nur vereinzelt Rillen oder Rillenmuster, vgl. Abb. 2. 10.

Nur wenige Stücke konnten bei einer ersten Durchsicht  näher datiert werden. So dürften Abb. 2.10-11 und .13, Abb. 3.3 und .6, eher spätbronzezeitlich einzuordnen sein, während die verdickten Ränder, Abb. 3.2, 6-7, bereits auf eisenzeitliche Einflüsse zurück gehen dürfte.

 

 

 

Aus den untersuchten Teilen der oben erwähnten Webgrube wurden 37 Bruchstücke von Webgewichten geborgen, Fund Nr. 3/2. Die Stücke sind nur sehr weich gebrannt und müssen vor einer Restaurierung stabilisiert werden. Einige größere Bruchstücke lassen die pyramidenstumpfartige  Form erkennen, Abb. 2.6-8. Sie lassen sich zu mindestens 8 Gewichten ergänzen.

Die Unterschiede in der Größe, und damit im Gewicht, deuten möglicherweise auf die Erzeugung unterschiedlicher Stoffqualitäten. Die kleineren Gewichte wären dabei für feinere Stoffe eingesetzt worden, die größeren für gröberes Gewebe.

Dafür spräche auch der Gewichtsunterschied zwischen den zwei hier geborgenen Spinnwirteln. Einer war aus einer Wandscherbe eines Tongefäßes gefertigt worden, Fund Nr. 127, Abb. 2.9; der zweite war, bei annähernd gleichem Durchmesser, massiv gearbeitet, Fund Nr. 62, Abb. 3.1. Das vergleichbar geringere Gewicht des flachen Stückes hätte es ermöglicht, dünnere Fäden zu spinnen, die zu einem entsprechend qualitätsvollen Gewebe verarbeitet worden sein dürften.

In Profil 36 wurde eine Speerspitze aus Knochen gefunden, Abb. 2.4. Das Stück weist eine Durchbohrung am unteren Ende auf, wo es mit Hilfe eines Splintes oder Nagels am Speerschaft befestigt worden war. Ein weiteres Knochenwerkzeug, Abb. 2.5, besaß eine scharfe Spitze, aufgrund der Größe könnte es als Dolch benutzt worden sein.

Insgesamt wurde neunzehn Brocken Schlacke gefunden, davon lassen sich fünf Brocken der Phase II und zwei der Phase III zuordnen. Das Fehlen in der Phase I ist auffallend, legte doch die Zahl der Keramikfunde in den drei Phasen eine annähernd ausgewogene Fundverteilung nahe. Das Auftreten in den späteren Siedlungsphasen könnte mit einem Funktionswechsel der Siedlung zusammen hängen. In den kleinen, älteren Siedlungen wäre, diesem Gedanken folgend, keine eigenständige Metallverarbeitung vorgenommen worden.

Die älteren Kulturschichten der Phase I wiesen auf mehrere kleinere  Siedlungskerne hin. Ob sie zeitlich parallel oder nacheinander haben ist beim derzeitigen Stand der Auswertung nicht zu entscheiden. In der Phase I wäre keine eigenständige Metallverarbeitung vor Ort erfolgt, die Siedlungen hätten einen rein agrarischen Charakter gehabt.

Die Siedlungen der Phasen II und III unterschieden sich nicht nur in Hinblick auf die Größe, sondern auch durch die Hinweise auf ein differenziertes Handwerk, auf den Handel und auf permanente Nutzungsstrukturen von ihrem Vorgänger. Zumindest Tuche und Metallerzeugnisse könnten über den eigenen Bedarf hinaus erzeugt worden sein.

 

 

Die Vorstellung von der Siedlungshierarchie, bisher durch befestigte Siedlungen mit zentralörtlichen Funktionen auf der einen und offenen Siedlungen agrarischen Charakters auf der anderen Seite geprägt, wäre um solche Mittelzentren zu erweitern. Sie hätten eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung importierter Rohstoffe und Ideen gespielt.