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   Archäologische Untersuchungen in Mittenwalde 1995 - 2002

 

Seit 1995 werden die im Rahmen der Stadterneuerung in der Altstadt von Mittenwalde durchgeführten Tiefbauarbeiten von Archäo Kontrakt archäologisch begleitet. Der Untergrund der Stadt zeigte sich dabei als ein großes Geschichtsbuch, in dem die Bewohner seit der letzten Eiszeit ihre Spuren hinterlassen haben.

Zum Teil waren die seit der Besiedlung im Mittelalter entstandenen Schichten mehr als 2 m stark. Sie bestanden aus Schmutz und Abfällen sowie dem aufplanierten Schutt abgebrannter Gebäude. Wir fanden verschiedene mittelalterliche Straßenbefestigungen, Reste von Gebäuden und von Gräbern.

Die Gräben für die Wasser- und Abwasserkanäle erlaubten nur einen sehr begrenzten Blick in dieses Geschichtsbuch. Die Auswertung der Ergebnisse steht noch aus. Deshalb sind wir noch weit davon entfernt alle offenen Fragen überzeugend beantworten zu können. 

 

Mittenwalde vor 5.000 Jahren

Steinäxte und andere Streufunde belegen eine Anwesenheit des Menschen im Mittenwalder Raum seit der Jungsteinzeit, wir wissen aber noch nicht genau, wo ihr Dorf eigentlich lag.

Erst die spätbronzezeitlichen Bewohner Mittenwaldes hinterließen direkte Spuren ihrer Anwesenheit. Am Auffälligsten war eine bis zu 40 cm starke Humusschicht, die heute als hellbraune Sandschicht direkt über den hellen, eiszeitlichen Sanden liegt. Sie enthält meist nur Scherben von Tongefäßen, Knochen und einige bearbeitete Steine. Metallfunde sind dagegen relativ selten, was nicht zuletzt am großen Wert des Metalls lag.

Die Gebäude dieser Zeit hinterließen wenig Spuren, da sie komplett aus Holz errichtet waren. Einige Feuerstellen, Pfostengruben, und Gräbchen von Schwellbalken sind das einzige, was sich erhalten hat.

Von den Bewohnern der Siedlung wurden nur einige Gräber gefunden. Auffälliger Weise lagen die Gräber im engeren Umfeld des mittelalterlichen Friedhofes.

Der Fund eines Bruchstücks einer Gussform für Lanzenspitzen aus feinem, grauen Sandstein, 5,2 x 4,9 x 1,6 cm, Abbildung 1, lenkte das verstärkte Interesse auf die urgeschichtliche Besiedlung. Die Gussform zeigt an den beiden flachen Seiten je eine Eintiefung für die zu gießenden Stücke. Leider ist nur jeweils die Spitze erhalten, so dass die für die genaue zeitliche Einordnung wichtigen Bereiche fehlen. Vermutlich stammt sie aus der späten Bronzezeit, ist also beinahe 3.000 Jahr alt.  

 

Abb. 1, Mittenwalde, Bruchstück einer Gussform

Der Guss einer solchen Lanzenspitze erforderte mindestens eine dreiteilige Gussform, zwei vollplastische Seitenschalen und einen Tonkern für die Tülle. Diese aufwendigere Technik wurde nicht von allen Handwerkern beherrscht, sie wurde ausschließlich in oder bei den größeren Siedlungen ausgeübt, wo spezialisierte Handwerker für den Bedarf einer Region arbeiteten. Vermutlich spielte unsere Siedlung damals schon eine Rolle in der Metallbeschaffung und –verteilung, denn der oder die hier arbeitenden Bronzegießer brauchten natürlich die importierten Rohstoffe Kupfer und Zinn.

Im Bereich der Altstadt von Mittenwalde wurde also eine frühstädtische Siedlung der spätbronzezeitlichen Lausitzer Kultur entdeckt. Die Ansiedlung konnte auf einer Fläche von 350 x 350 m nachgewiesen werden, sie war so groß wie die mittelalterliche Stadt. Sie hatte Kontakte zur weiter im Süden nachweisbaren Hallstattkultur und zum Ostseegebiet im Norden.

Die Funktionen der Siedlung ähnelten vermutlich bereits denen der Stadt des Mittelalters. Zwar hatte die Landwirtschaft noch die größte Bedeutung, aber die Verarbeitung regionaler und importierter Rohstoffe und der Nah- und Fernhandel waren bereits wichtige Elemente des Lebens vor 3000 Jahren.

Über die militärischen Funktionen der Siedlung lässt sich bisher nur spekulieren. Eine genaue Auswertung wird zeigen, ob sich unter den vielen nachgewiesenen Gräben auch urgeschichtliche Verteidigungsanlagen nachweisen lassen. Oder lag die zugehörige Befestigung auch am Hausgrabenberg?

Ähnlich sieht es mit dem Nachweis religiöser Aktivitäten aus. Bisher wurden nur zwei Gräber entdeckt, auffälligerweise lagen sie beide im Umfeld der späteren Kirche. Der weitgehende Verzicht auf Tempelbauten in dieser Zeit, denken Sie an die  Erzählungen Homers, lässt auch wenig Hoffnung, diese Lücke bei den noch ausstehenden Arbeiten zu füllen. 

 

Mittenwalde im 12. und frühen 13. Jahrhundert

Die erste mittelalterliche Nutzungsperiode im Stadtgebiet zeigte sich anhand von slawischen Gräbern und Streufunden, die Umgebung war durch slawische Burgen geprägt. Allerdings blieb unklar wo die nächste Siedlung dieser Zeit lag, eventuell gab es Nutzungskontinuitäten um die ehemalige Moritzkirche und am Fuße der Burg. 

Mittenwalde gehörte damals den Markgrafen aus Meißen. Die Burg bewachte einen wichtigen Übergang über das Flüsschen Notte und diente als Nachschub- und Etappenstation auf der Straße nach Köpenick.

Im Norden Mittenwaldes wurde als älteste Ansiedlung ein Handwerkerviertel erfasst. Bei den Untersuchungen wurden sogenannte Grubenhäuser nachgewiesen, 60 – 80 cm eingetiefte Gebäude, die meist als Werkplatz oder Schuppen dienten.

Zuerst wurde dafür eine Grube in den Boden eingegraben, die dann mit einem Dach und Wänden geschlossen wurde. Während der Ausgrabung fielen immer wieder abwechselnde dünne Schichten aus Schmutz und hellem Sand im Inneren auf. Sie entstanden dadurch, dass zur Sauberkeit Sand auf den Fußboden gestreut wurde. Als das Gebäude nicht mehr benötigt wurde, wurden die Reste der Grube mit Mutterboden verfüllt.

Die Gruben­häuser zeigten bereits eine dichte Besiedlung.  Sie konnten  3 x in der Yorckstraße, 9 x in der Paul-Gerhardt Straße, 7 x in der Katharinenstraße und je einmal im Hohen Holz und, als Altfund, auf dem Friedhof östlich der Stadt nachgewiesen werden, Abb. 2.

 

Abb. 2. Mittenwalde, Grubenhäuser

Außerdem wurden einige Arbeitsgruben erfasst, die u.A. von Färbern oder Gerbern benutzt wurden. In diesen Gruben lagerten Häute oder Stoffe, die bearbeitet werden sollten.

Die Verteilung sowohl der Arbeitsgruben als auch der Grubenhäuser zeigt einige Auffälligkeiten. Da sie über das Gebiet der ummauerten Stadt hinaus vorkommen, dürften sie älter als die Stadtmauer sein. Die Grubenhäuser lagen im heutigen Straßenraum und meist etwas schräg zu den heutigen Gebäudefluchten. Daraus folgt, dass die Straßen und Grundstücksgrenzen seitdem verlegt worden sein müssen. Die Grubenhäuser gehören also zu einer älteren Ausbaustufe der Stadt.

Sie schließen im Süden an das deutlich ältere Siedlungsgefüge um die Moritz-Kirche und den Markt an, einer der Keimzellen der Mittenwalder Stadtentwicklung. Die St. Moritz Kirche dürfte unter Einfluss der Magdeburger Bischöfe nach der Mitte des 12. Jahrhunderts gegründet worden sein.  

 

                                         Mittenwalde, Paul-Gerhardt Straße, Münze

Zur Datierung dieser Periode kann außerdem eine halbe Münze aus einer Färbergrube herangezogen werden, sie stammte vermutlich aus Meißen, aus dem ersten Viertel des 13. Jahrhunderts. Die geborgene Keramik entspricht Fundgut vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Ein Münzfund aus dem Grubenhaus vom Friedhof weist auf ein Siedlungsende um 1240/1250 hin.

Das Fehlen von Bebauungsspuren in der unteren Yorckstraße könnte darauf hinweisen, dass hier die Straßenführung beibehalten worden war, dass hier ein zweiter alter Siedlungskern lag. Am Wahrscheinlichsten wäre eine zur Burg gehörende offene Siedlung, die die Versorgung der Burgbesatzung zu übernehmen hatte.

 

Die Schlacht bei Mittenwalde

Aus den schriftlichen Quellen wissen wir, dass zwischen 1240 und 1250 bei der Burg Mittenwalde die Askanier ein Heer der Meißner Grafen bezwangen und die Burg in Besitz nahmen. Die Stadt wird erst ein paar Jahre später erwähnt, als sie bereits zu einiger Bedeutung gelangt war.

Es gibt bisher keine direkten Hinweise auf den Ort dieser Schlacht. Allerdings wurden Verteidigungsanlagen entdeckt, die mit dieser Auseinandersetzung in einem Zusammenhang stehen dürften.

So wurden in dieser Zeit drei Gräben angelegt, die in der Yorckstraße zwischen dem Rathausplatz  und dem Salzmarkt bzw. der Schützenstraße untersucht werden konnten. Die Unterkanten der Gräben wurden bei den Untersuchungen nicht erreicht, so dass keine Aussagen über ihre ehemalige Tiefe möglich sind.

Der erste Graben, am Rathausplatz, war über 20 m breit. Der zweite Graben lag wenige Meter weiter nördlich. Graben 3 könnte bis zu 7 m breit gewesen sein.

Die nördlichen beiden Gräben schnitten ältere Grubenhäuser und Hausstellen, so dass hier wohl für Verteidigungszwecke ein bebauter Siedlungsbereich einplaniert worden war. Dies ist am besten mit einer militärischen Bedrohung zu erklären, zu deren Abwehr die Verteidigungsanlagen ausgebaut worden waren.

Nach dem Bau dieser Gräben und der sicherlich zugehörigen Erdwälle brach die Nutzung der außerhalb der späteren Stadtmauer gelegenen Siedlungsbereiche ab. Die Flächen am Hohen Holz und am neuen Friedhof wurden erst wieder nach dem 30-jährigen Krieg intensiver genutzt. Innerhalb der Altstadt fanden sich im Bereich der Straßen keine jüngeren Gebäudespuren mehr.  

Dieser deutliche Wechsel kann am ehesten mit der Eroberung durch die Askanier und mit der dadurch veränderten strategischen Lage erklärt werden. Mittenwalde lag an der Grenze des askanischen Machtbereiches. Neben der Kontrolle der Straße gewann der militärische Aspekt zunehmend an Bedeutung

 

Mittenwalde ab der Mitte des 13. Jahrhunderts

Stadt

Etwa ab der Mitte des 13. Jahrhunderts setzte auf dem näher untersuchten Grundstück Yorckstraße 53 die Besiedlung ein. Seitdem fand keine grundlegende Veränderung der Straßenfluchten und Grundstücksgrenzen in Mittenwalde mehr statt. Die Grabungsergebnisse zeigten eine lockere Bebauung des Grundstücks mit einem unterkellerten Gebäude an der Straßenfront und rückwärtig anschließenden Scheunen und Ställen.

In dieser Zeit wurden auch die ersten befestigten Straßen in Mittenwalde gebaut. Dabei handelte es sich um hölzerne Bohlenwege, die sich in der südlichen Yorckstraße wegen des feuchten Untergrundes erhalten haben.  Der Wechsel von dunklen Nutzungs- und hellen Sandschichten über diesen Bohlenwegen zeigte, dass immer wieder Sand zur Auffüllung der matschigen Straßen angefahren werden musste.  

Erst im 17. Jahrhundert scheint in Mittenwalde in der Yorckstraße die erste gepflasterte Straße angelegt worden zu sein, mindestens eine ältere Pflasterung konnte auch in der Paul Gerhard Straße und der Katharinen Straße nachgewiesen werden.  

 

 

Mittenwalde, Yorckstrasse, Brunnen während der Ausgrabung und nach der Rekonstruktion

In der unteren Yorckstraße wurde ein aus dem 18. oder 19. Jahrhundert stammender Brunnen entdeckt. Die Brunnenröhre war aus Backsteinen aufgemauert worden, die Unterkante des Brunnens konnte nicht erreicht werden. Der Brunnen ist mittlerweile wieder oberirdisch aufgemauert worden.  

Zur Ausstattung der Stadt gehörte auch weiterhin ein Markt. Kleine Pfostenlöcher auf dem Salzmarkt zeigen, dass dieser Platz früher dicht mit hölzernen Verkaufsbuden bebaut war. 

Neben einer am Salzmarkt arbeitenden Schmiede gab es auch archäologische Hinweise auf Knochenschnitzer, Gerber und Schuster. Auch Bäcker und Töpfer müssen in der Stadt gearbeitet haben.

Etwa ab der Mitte des 14. Jahrhundert sind in der Lausitz Klagen über heftige Regenfällen verbreitet. Eine Reihe von Entwässerungsgräben, die in einem Sammelkanal im östlichen Teil der Yorckstraße mündeten, zeigt, dass auch die Mittenwalder unter dem Wetter litten.

Doch diese Regenstürme bildeten nur den Auftakt für eine Klimaveränderung, die heute unter dem Namen kleine Eiszeit bekannt ist. Sie beeinträchtigte die Landwirtschaft und sorgte somit für ein Ende der mittelalterlichen Blütezeit der Stadt.

Diese Entwicklung ist auch anhand der im Boden gefundenen Scherben nachvollziehbar. Ein großer Teil der täglich benutzten Keramik wurde in Mittenwalde hergestellt. Daneben gab es aber immer auch besseres Geschirr, das z.T. von weit her importiert worden war.

Im späten 12. und 13. Jahrhundert bestanden, grob geschätzt, etwa 3 bis 6 % des Geschirrs aus norddeutscher und rheinischer Keramik. Im 14. Jahrhundert erreichte dies einen Höhepunkt, sogar das besonders wertvolle Steinzeug aus Siegburg, in der Nähe von Köln, konnten sich einige Mittenwalder leisten.

Aus dieser Zeit stammen schriftliche Nachrichten über die Ansiedlung von 4 Fernhändlern und die Erwähnung von Abgaben für den Geleitschutz von Karawanen von Kaufleuten, die in Mittenwalde kassiert wurden. 

Seit dem 15. Jahrhundert ist ein stetiger Rückgang des importierten Geschirrs festzustellen, die rheinischen Steinzeuge des 16. Jahrhunderts erreichen nur noch vereinzelt Mittenwalde, die Wirtschaftskraft der Stadt sank, bis sie sich kaum noch selbst verteidigen konnte.  

Stadtbefestigung

Die Stadtbefestigung ließ sich am besten anhand der Lage der Stadtgräben nachvollziehen. Besonders im Süden, im Hohen Holz, wurde der 28 m breite und mindestens 1,5 m tiefe Graben, nachgewiesen. Im Osten ist er noch als als Bodensenke vorhanden. Unter der Straße an der Festwiese im Norden fanden sich mächtige Auffüllungen, die ebenfalls vom zugeschütteten Stadtgraben stammten.

Die Mittenwalder Stadtmauer konnte dagegen nicht direkt untersucht werden. Der einzige Hinweise darauf  war ein kleiner in Nord-Süd Richtung verlaufender Graben, an der Kreuzung Mühlenstraße Hohe Holz.

Der Graben konnte erst in einer Tiefe von 3,90 m erkannt werden, weil darüber alles mit hellem Sand verfüllt war. Der Graben war 1,00 m breit, nur die untersten 10 cm waren noch erhalten. Auf beiden Seiten wurde er von Hölzern eingerahmt, die wie die Reste eines Grabenverbaus wirkten.

Die Grabenfüllung enthielt Mörtelbrocken, die von einem aus unbehauenen Feldsteinen errichteten Mauerfundament stammten. Diese Mauer stand in dem Graben, bis im 19. Jahrhundert alle Steine entfernt und für den Straßenbau benutzt wurden. Dabei gelangten auch moderne Backsteine in die Füllung.

Die Mühlenstraße ist nach dem Bau der Mauer gegenüber dem angrenzenden Gelände um etwa einen Meter aufplaniert worden. Rechnet man diesen Effekt ab, hätten die Fundamente der Mauern immer noch bis in eine Tiefe von 3 Meter unter das damalige Laufniveau gereicht.

Eine solche massive Fundamentierung spricht für die Zugehörigkeit zur Stadtbefestigung, die Richtung des Grabens deutet hier die Lage eines Turmes an. Eine tiefreichende Störung auf der Innenseite der Mühlenstraße zeigte den weiteren Verlauf der Stadtmauer an, bzw. der Gruben, die zur Entfernung der Steine gegraben wurden. Sie verlief bis zur Yorckstraße wo sie an das Mühlentor anschloss. Eine zweite vergleichbare Störung fand sich an der Straße am Festplatz, die die Flucht der noch erkennbaren Maueranzahnung am Pulverturm fortsetzte

Auf der Kreuzung Yorckstraße/Mühlenstraße wurden die Reste des ehemaligen Mühlentores angeschnitten. Es zeigten sich die Fundamente des inneren Torturms, dem, wie im Norden beim noch stehenden Berliner Tor, ein Zwinger und ein weiteres Tor vorgelagert waren. Bei Bauarbeiten in der Straße Baruther Vorstadt wurden die Fundamente der äußeren, feldseitigen Tormauern nachgewiesen. Zusammen mit dem massiven Feldsteinmauerwerk, welches schon früher im Bereich des Mühlenfließes beobachtet wurde, ließe sich daraus ein Zweikammertor mit etwa 75 m Länge rekonstruieren, welches bis an den Rand der Niederung des Flusses Notte reichte. Auch im Norden könnte ein zweiter Zwinger mit einem Außentor bestanden haben. 

 

Mittenwalde, LDS, Ideenrekonstruktion der Stadtbefestigung

Burg

Nach der Eroberung der Burg durch die Askanier folgte ein Ausbau der Stadt in den heutigen Grenzen. Die Sicherung des Übergangs über die Notte blieb die Hauptfunktion der Burg. Während sie aber unter den Wettinern nur als Etappenstation auf dem Weg nach Köpenick und Lebus diente, kam unter den Askaniern die Grenzsicherung zu ihren Aufgaben dazu.  

Bei der Burg handelte es sich nicht um eine so große Anlage wie die Burg Eisenhard in Belzig oder Burg Rabenstein. Vermutlich gab es nur ein feuersicheres Gebäude aus Stein, das von Fachwerkhäusern und –ställen umgeben war. Sie war von einer Palisade und einem oder mehreren Gräben geschützt.

Die genaue Lage der Burg ist immer noch unklar, vermutlich lag sie am Hausgrabenberg. Die zugehörigen Gräben sollten eigentlich die Auffindung der Burg einfach machen, ihre Reste sind im Boden nicht leicht zu übersehen. Unglücklicherweise gibt es zu viele in Frage kommende Gräben in Mittenwaldes Untergrund, so dass auch hier auf die abschließende Auswertung der Grabungsergebnisse zu warten sein wird.

So ist auch noch nicht einmal die Anzahl der Burganlagen eindeutig bekannt. Nach der Erwähnung im 13. Jahrhundert erscheint die Burg als das "nuwe hus", erst spät wieder in den Quellen. Dabei könnte sich dieser Name auf ein neu errichtetes Gebäude innerhalb der alten Burg beziehen, oder sogar auf eine zweite Burganlage.

Zur Zeit lässt sich nur feststellen, dass im Umfeld des Hausgrabenberges ein System von Wehrgräben nachgewiesen wurde, welches auf eine Konzentration militärischer Funktionen in diesem Bereich der Stadt hinweist. Zwei Reitersporen aus dem Mittelalter, die während der Arbeiten geborgen wurden, dürften von Rittern aus der Besatzung der Befestigung stammen.  

Kirchen, Friedhöfe

 

Mittenwalde, neogotischer Turm der Kirche

Wegen des Fehlens archäologischer Untersuchungen an der ehem. St. Moritz Kirche gibt es keine verlässlichen Auskünfte über deren Alter. Die unregelmäßige Straßenführung in ihrer näheren Umgebung sowie die Aufdeckung spätslawischer Gräber lässt vermuten, dass sie bereits im 12. Jahrhundert begründet wurde. 

Die Aufdeckung christlicher Gräber in der Mauerstraße setzt die Existenz einer zugehörigen Kirche, vermutlich in der Katharinenstraße, voraus. Dabei könnte es sich um eine Klosterkirche gehandelt haben. Die Gräber wurden im 17. Jahrhundert, vermutlich während des 30-jährigen Kriegs, beraubt. Zu vermuten bleibt, dass spätestens zu dieser Zeit auch die Klosterbauten zerstört wurden.

Ein auffälliger Graben in der nördlichen Katharinenstraße könnte als Ausbruchsgrube der Klostermauer gedeutet werden. Nähere Informationen könnten nur durch archäologische Untersuchungen auf den entsprechenden Grundstücken aufgedeckt werden.