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Pressetext 05.11.2004 zur Beendigung der Ausgrabungen in Meyenburg:
 

Abb. 1, Schloss Meyenburg, Ansicht von Süden

Ein Zauberring aus dem Mittelalter

Erste Ergebnisse der Ausgrabungen in Schloss Meyenburg

 

Meyenburg, Prignitz. 14. Jahrhundert. Schon seit der Morgendämmerung schallte die Stimme des Markgrafen gereizt über den Burghof. Der Ton und die Lautstärke hatten dafür gesorgt, dass selbst die Soldaten nur auf den Zehenspitzen auftraten. Der goldene Ring des Herren war verschwunden, gestern Abend noch, beim Gelage mit den kleineren Adligen der Umgebung, hatte er mit dem Stück geprahlt. Der Ring trug eine magische Inschrift, die Namen der Heiligen Drei Könige schützten den Träger vor allem Bösen, besonders auf Reisen.

   

Abb. 2, Der goldene Fingerring, Æ= 2,1 cm, mit der Inschrift Jaspar, Baltazar, Melchior, 14. Jahrhundert

Erst mehrere Jahrhunderte später wurde der Ring wieder gefunden. Er war wohl zwischen zwei Fußbodendielen gefallen und kam bei archäologischen Ausgrabungen wieder ans Tageslicht. Anlässlich von Renovierungsarbeiten wurden seit September 2003 in Schloss Meyenburg archäologische Untersuchungen durchgeführt. Die Berliner Grabungsfirma Archäo Kontrakt überwachte die Abtiefungen in den Kellerräumen und im östlichen Seitenflügel. Außerdem wurden besonders empfindliche Bereiche von einem Ausgrabungsteam unter Leitung von Dr. Uwe Müller, Blankenfelde, bauvorbereitend ausgegraben. Die Untersuchungen wurden termingerecht am 28.10.2004 abgeschlossen.

Dabei fanden die Archäologen Reste von zwei älteren Burganlagen, die unter dem heutigen Schloss noch im Boden erhalten waren. Die älteste Anlage wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet, sie bestand aus einem Turm, einem Wohngebäude mit Festsaal, einem Torhaus und der steinernen Umfassungsmauer.

   

   

Abb. 3, Blick auf die Turmfundamente während der Freilegung

 

Unter dem westlichen Mittelteil wurden die Fundamente dieses großen quadratischen Turms freigelegt, der eine Seitenlänge von beinahe 10 m hatte. Sie waren, zum Teil über 3 m dick, aus unbearbeiteten Findlingen errichtet worden. Farbreste an einigen Steinen deuteten auf weiß getünchte Innenwände hin.

   

 

Abb. 4, Plan der Fundamente des Burgturms, unter dem westlichen Mittelteil  

 

Unter dem östlichen Mittelteil wurden Reste des Wohngebäudes und des Torhauses entdeckt. Mit Kalkmörtel verbundene Findlinge bildeten diesmal die Mauern, nur an wenigen Stellen wurden würfelförmig behauene Steine benutzt.

Unter dem östlichen Seitenflügel wurden dann die Reste der Wohnräume der zweiten Bauphase, der markgräflichen Burg gefunden. Während der 2. Hälfte des 13. und dem 14. Jahrhundert sorgten ausgeklügelte Heizungsanlagen für behagliche Wärme. Die Funde lassen für diese Zeit die Anwesenheit hochstehender Personen erkennen.

 

  Abb. 5, Brennraum und Wärmespeicher einer Heizung aus dem 14. Jahrhundert

Neben dem goldenen Fingerring wurde auch noch weiterer Schmuck aus Edelmetall oder z.B. Bergkristall und Reste von Goldbrokatstoff gefunden. Eine Schachfigur aus Knochen, ein Bauer, erinnert an Markgraf Otto IV. , der sich zusammen mit seiner Frau Hedwig im Codex Manesse beim Schachspiel abbilden ließ.

       

Abb. 6, ein Bauer aus einem Schachspiel aus Knochen, Höhe 2,5 cm, 14. Jahrhundert

Abb. 7, ein Weinbecher aus Ton, 14. Jahrhundert

Der wahre Schatz der Untersuchungen sind aber die vielen Scherben von Gebrauchsgeschirr, die Knochen und Gräten, die über das tägliche Leben zwischen dem 13. und 19. Jahrhundert Auskunft geben können. Die Auswertung dieser Funde kann uns viel über die wirtschaftlichen Grundlagen, die überregionalen Verbindungen und die sich wandelnde Umwelt einer mittelalterlichen Burg oder eines neuzeitlichen Schlosses verraten.

 

 

Abb. 8, Siedlungsschichten aus zwei Jahrhunderten unter dem östlichen Seitenflügel

 

Nach dem Abschluss der Baumaßnahmen ist in Schloss Meyenburg die Eröffnung der Dauerausstellung des Modemuseums und Einrichtung eines schloss- und stadtgeschichtlichen Museums geplant. Später sollen noch die erhaltenen Reste einer mittelalterlichen Heizungsanlage präsentiert werden, hoffentlich können auch einige Funde aus den Ausgrabungen gezeigt werden. Aber auch heute schon locken der schöne Schlosspark, die bereits restaurierten Teile des Schlosses und verschiedene Wechselausstellungen, nicht nur zur Mode, viele Besucher nach Meyenburg.

   

 

Alle Fotos und Pläne Autor: Archäo Kontrakt