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Archäo Kontrakt
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Forschungsprojekt
„Sechín Bajo“, Casma-Tal, Peru Die
Graffiti der
formativzeitlichen Anlage von Sechín Bajo und ihre zeitliche Einordnung Sechín Bajo, Ansicht von Südwesten Das Casma- Tal Im Tal des Rio Casma an der nördlichen Küste Perus bildete sich im 3. und 2. Jahrtausend v.Chr., der formativen Periode, ein Besiedlungsschwerpunkt heraus. In dieser Zeit entstanden hier mehrere komplexe Bebauungsstrukturen. Im Zentrum dieser Anlagen standen große Monumentalbauten, deren Entstehungsbedingungen in ihrem sozialen und technologischen Kontext bislang kaum untersucht wurden.
Im Casma-Tal
gibt es zwei
Fundplatzkomplexe der Frühen Formativen Periode. Der Komplex Pampas de las
Llamas-Moxeke, mit den Fundplätzen Moxeke und Huaca A und den
dazwischenliegenden Plätzen und Gebäudezeilen, liegt am Fluss Casma. Der Sechín-Alto
Komplex, mit den vier Fundplätzes Sechín Alto, Cerro Sechín, Taucachi-Konkan
und Sechín Bajo liegt dagegen am Fluss Sechín. Alle Fundplätze sind großflächige
Anlagen mit ausgedehnten Baustrukturen, Plätzen und Verbindungsstraßen. Die
Basisbaukörper der Hauptbauten sind Plattformanlagen aus Stein und Lehmmörtel,
auf denen kleinere Binnenstrukturen mit unterschiedlichen Funktionen errichtet
wurden. Eine dieser Anlagen ist Sechín
Bajo. Sie wurde erstmals 1992 während eines Surveys näher untersucht
(Patzschke 1993), dabei wurden auch erste geodätische Pläne erstellt. Im Jahre
2000 wurden in einer mehrmonatigen Grabungskampagne insgesamt drei Flächen mit
mehr als 1000 m² ausgegraben (Fuchs 2000). Seit 2003 unterstützte die DFG
dankenswerter Weise drei weitere Grabungskampagnen. Dabei wurden in drei Monaten
vier weitere Flächen mit ca. 1.100 m² archäologisch untersucht und weitere
acht Flächen geophysikalisch prospektiert. Die Grabungskampagnen haben zum Ziel die Bauphasen und Siedlungsaktivitäten zu erforschen und zeitlich einzuordnen sowie die Entstehungsbedingungen monumentaler Architektur zu untersuchen. Dafür werden einerseits die Mittel der archäologischen Bauforschung eingesetzt, wie Ausgrabung und Untersuchung der Bauten, Baumaterialien und Verputze, und andererseits Standardmethoden der geophysikalischen Prospektion, Georadar, Geoelektrik und Geomagnetik. Sechín Bajo Der Fundplatz Sechín Bajo liegt
am Nordufer des Flusses Sechín im Casma-Tal, 75 m über dem Meeresspiegel. Der Hauptbaukomplex gleicht heute einem großen Versturzkegel, in dem nur wenige Mauerpartien sichtbar erhalten geblieben sind. Von moderner Zerstörung, z.B. Grabräuber und Ackerbau, ist der Hauptkomplex dagegen relativ verschont geblieben, abgesehen von der landwirtschaftlichen Nutzung des großen, dem Eingang vorgelagerten Platzes. Die jüngeren Siedlungsflächen der näheren Umgebung sind allerdings stark gestört. Das Hauptgebäude besteht aus einem rechteckigen Plattformbau, ca. 180 x 120 m und einer maximalen Höhe von ca. 18 m, sowie einem an die südwestliche Stirnseite anschließenden kleineren Anbau mit einer Größe von 50 x 45 m und einer ungefähren Höhe von 6 m. Der Bau wurde auf einer eingeebneten Fläche errichtet, die vorher mit einem Lehmestrich versehen worden war. Die Grenzen dieses Estrichbodens wurden noch nicht erreicht. Sechín Bajo, Ansicht von Nordwesten Baukonstruktion Sechín Bajo, Gesamtplan Der Bau zeigt eine weitgehend achsensymmetrische Form. In der Mittelachse liegen vier Höfe hintereinander, die durch Übergänge bzw. Treppen miteinander verbunden sind und axial erschlossen werden. Da zwei dieser Höfe in der Höhe des Eingangs liegen und zwei Höfe ca. 8 m höher, erscheint der Bau zweigeteilt. Das Außenmauerwerk des Gebäudes besteht, zumindest im
unteren Bereich, aus großen bearbeiteten Steinen, die mit Lehmmörtel verbaut
wurden. Es weist einen in mehreren
Ausgleichsschichten aufgetragenen Verputz auf. Die Schichten des Putzes zeugen
davon, dass das Gebäude mehrmals neu verputzt worden sein muss, wobei die
letzte, also äußere Putzschicht, eine rote Bemalung aufweist. In dem Versturz des Außenmauerwerks befinden sich auch große, konische Adobeziegel, deren Durchmesser bis zu 35 cm und Höhe ca. 40 cm betragen. Die kombinierte Bautechnik aus Stein und Adobe findet sich ebenfalls in anderen Strukturen. So konnte in Cerro Sechín ein älterer Lehmbau freigelegt werden, der von einem jüngeren Steinbau umgeben ist. Die Anordnung der Räume ist U-förmig. Sie sind
rechteckig bis quadratisch angelegt mit größtenteils runden Ecken. Abgesehen
vom Haupteingang führen seitliche Treppenanlagen zu den oberen Plattformen hinauf. Die Höfe haben ebenfalls abgerundete Ecken, verputzte Wände
und Nischen, die in Hof 2 und Hof 4 nachgewiesen werden konnten. Hof 4 ist der
oberste Hof. Hier sind die Grabungen am weitesten fortgeschritten. Der Innenraum des Hofes 4 war mit einem Estrich überzogen, der vor allem im Randbereich zum aufgehenden Mauerwerk in großen Teilen erhalten war. Am Boden waren Abdrücke von Flechtwerk erhalten . Offenbar war der Innenraum mit feingeflochtenen Matten bedeckt. Ein ähnlicher Befund ist in der Huaca A von Moxeke – Pampas de las Llamas dokumentiert worden (Pozorski 1991).
Sechín Bajo, Hof 4, Innenwand mit Nischen
Die Wände des Innenraums sind bis zu einer Höhe von
2,90 m erhalten. Bis auf ein einfach eingeritztes Graffiti wurden in den bislang
freigelegten Bereichen kein Wanddekor gefunden. An mehreren Stellen konnten verschiedene Nutzungsphasen
nachgewiesen werden. Sie zeigen sich u.a. im Zusetzen und Umverlegen von
Treppenanlagen und Aufstocken der Wände. Außerdem kamen aus dem Mauerversturz insgesamt 7 Bestattungen zutage, von denen 5 geborgen wurden. Bis auf einen Erwachsenen waren es Kinder, davon 3 Babys. Die Graffiti Fast die komplette Außenwand des Annex wurde bis zur Tiefe des Bankettestrichs freigelegt. Die Südwestseite war auf ganzer Länge mit „Graffiti“ versehen.
Sechín Bajo, Annex, die "Graffiti-Wand"
Insgesamt konnten 122 verschiedene Gravuren von unterschiedlicher Qualität aufgenommen werden. Mindestens vier verschiedene Motive konnten zu Formengruppen zusammengefasst werden. Einige von ihnen finden sich auch an anderen Fundstellen, z.B. in Alto de la Guitarra, Pampa Calata, Queneto, Quebrada de San Juan, Palamenco, Chacuascucho, Checta (Kreuz), Cerro Sechín (Keulenkopf, Zickzackmotiv), Las Haldas, Pallka (Knochenspatel), Huaca A.
Sechín Bajo, die ersten Graffiti werden erfasst und vorsichtig freigelegt.
Sechín Bajo, Außenwand Annex, „Graffiti-Wand“
Bei der „Graffiti-Wand“ handelt es sich um das größte bisher bekannte Ensemble früh-formativzeitlicher Darstellungen in Lehm. Vertreten sind sowohl figürliche wie geometrische Motive besonders der nördlichen zentralen Küste, die alle einer pre-chavinoiden Periode zugeordnet werden. Einige Figuren in Sechín Bajo zeigen jedoch Mischwesen, die eindeutig mit Chavinelementen verziert sind.
Sechín Bajo, Graffiti
Ikonographische Relationen ergeben sich zu den
verschiedenen Stilgruppen, vom Casma-
Tal (Cerro Sechín und Moxeke) und Punkurí- Stil, über Yura-yaco bis zu
klassischen Chavin-Elementen. Eine vergleichende Untersuchung der bildlichen
Darstellungen der Graffiti und anderen Bildquellen an der zentralen und nördlichen
peruanischen Küste soll dazu beitragen, die Entwicklung zu verdeutlichen, die
sich schließlich in dem klassischen, äußerst komplexen Chavín-Stil ausdrückt. Zunächst soll ein Katalog der
Motive erarbeitet werden. Die einzelnen Formen werden danach, soweit möglich,
in Motivgruppen zusammengefasst. Gruppen ergeben sich z.B. aus geometrischen
Elementen, wie Kreuzen, Rechtecken, rechtwinkligen Stufenmotiven usw. und aus
figürlichen Zeichnungen oder Köpfen. Die Motivgruppen sollen dann in
regionalem und überregionalem Vergleich den
bisher bekannten Graffiti gegenübergestellt werden. Im Gegensatz zu einem
Lehmrelief oder Fries werden als Graffiti die Zeichnungen in Lehmputz
verstanden, die eine geringere Bearbeitungstiefe aufweisen und aufgrund ihrer
oft geringeren Größe und räumlichen Anordnung nicht als ursprünglich
gewolltes Wanddekor einzuordnen sind. Graffitizeichnungen kommen an
mehreren Fundplätzen im Casma-Tal und auch in anderen Tälern der peruanischen
Küste, besonders der zentralen und nördlichen zentralen Küste Perus vor. Eine
Herausarbeitung von Stilgruppen findet sich vor allem bei Bischof (1984 und
Folgenden), dem Vega-Centeno (1998) in weiten Teilen folgt. Hervorzuheben ist jedoch, dass
an allen anderen Fundplätzen bisher nur Einzelmotive als Graffiti festgestellt
werden konnten, die eher einen zufälligen Charakter haben. In Sechín Bajo dagegen konnten
auf der verputzten Außenwand des Annexgebäudes auf eine Länge von 34 m 122
verschiedene Zeichnungen erkannt werden. Es ergibt sich daraus eine
Formenvielfalt, die den gesamten Bildbestand wiederspiegelt und ihn mit neuen
Formen bereichert. Es handelt sich somit um das bisher größte bekannte
Ensemble früh- bis mittelformativzeitlicher Darstellungen in Lehm. Interessante Aspekte ergeben sich auch aus dem Abgleich mit anderen Bildträgern, wie z.B. Lehm- Steinreliefs, Steingefäßen, Petroglyphen, Goldblech, Knochen oder Keramik usw. Die Lehmwand wird etwa in die Zeit um 3.300 bp. datiert. Möglicherweise sind die Graffiti etwas später entstanden, am Übergang vom Frühen Formativum zum Mittleren Formativum. Literatur: Bischof,
Henning, 1984 – Zur Entstehung des Chavin-Stils in Alt-Peru, Ava-Beiträge,
6: 355- 45; Mainz Fuchs, Peter R., 2000 – Informe
del Proyecto Arqueológico Sechín Bajo, Casma, Lima Patzschke,
Renate, 1993 – Zur Entstehung und zur Funktion formativzeitlicher
Monumentalarchitektur im Casma- Tal, Peru, MA Posorski, Shelia und Thomas, 1986
– Recent excavations at Pampa de las Llamas-
Moxeke, a Complex Initial Period site in Peru, Journal of Field
Archeology, XIII (4): 381 – 401
1991 – Storage, Access Control and Bureaucratic Proliferation:
Understanding the Initial Period (1800-900 B.C.)
Economy at Pampa de las Lamas-Moxeke, Casma Valley, Peru
in: Reseach in Economic Anthropology, Vol 13, 34-371. JAI
Press. Inc. Vega-Centeno, Rafael, 1998 –
Patrones y Convenciones en el Arte figurative del
Formativo Temprano en la Costa Norte de los Andes Centrales,
Bull. Inst. fr. etudes andines, 27 (2): 183 - 211 |
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