Archäo Kontrakt


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Eine Burg aus dem Mittelalter

Erste Ergebnisse der Ausgrabungen in Schloss Meyenburg, Ldkr. Prignitz

 Abb. 1, Schloss Meyenburg, Ansicht von Nordost

Anlässlich von Renovierungsarbeiten wurden seit September 2003 in Schloss Meyenburg archäologische Untersuchungen durchgeführt. Die Berliner Grabungsfirma Archäo Kontrakt überwachte die Abtiefungen in den Kellerräumen und im östlichen Seitenflügel. Außerdem wurden besonders empfindliche Bereiche von einem Ausgrabungsteam unter Leitung von Dr. Uwe Müller bauvorbereitend ausgegraben.

Dabei fanden sich Reste von zwei älteren Burganlagen, die unter dem heutigen Schloss noch im Boden erhalten waren. Die Bodenoberfläche lag damals mindestens 1,4 m tiefer als heute. Die älteste bisher nachgewiesene Burg wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts aus Feldsteinen errichtet. Sie bestand aus einem Turm, einem Wohngebäude mit Festsaal, einem Torhaus und der Umfassungsmauer. Dazu kamen hölzerne Bauten für die normale Burgmannschaft, Ställe, Scheunen und Werkstätten.

   

   

Abb. 2, Blick auf die Turmfundamente während der Freilegung

Unter dem westlichen Mittelteil des heutigen Schlosses wurden die Fundamente eines großen quadratischen Turms freigelegt, der eine Seitenlänge von beinahe 10 m hatte. Der Turm wird 20-25 m hoch gewesen sein. Die Wände waren aus unbearbeiteten Findlingen errichtet worden, zum Teil über 3 m dick. Farbreste an einigen Steinen deuteten auf weiß getünchte Innenwände hin.

Abb. 3, Schloss Meyenburg, Plan der Burg

  Weiter östlich wurden Reste des Torhauses und eines repräsentativen Gebäudes mit großem Saal entdeckt. Mit Kalkmörtel verbundene Findlinge bildeten diesmal die freigelegte Mauer, nur an wenigen Stellen wurden behauene Steine aus einem bisher unbekannten Vorgängerbau benutzt. Der nachgewiesene Mauerzug wurde als West- und Südwand eines Palasgebäudes gedeutet. Dieser Bau hätte ein Innenmaß von etwa 10,5 x 7,5 m gehabt. 

Unter dem östlichen Seitenflügel wurden dann die Reste der Wohnräume der zweiten Bauphase, der markgräflichen Burg gefunden. Während der 2. Hälfte des 13. und dem 14. Jahrhundert sorgten ausgeklügelte Heizungsanlagen für behagliche Wärme. 

  Abb. 4, Brennraum und Wärmespeicher einer Heizung aus dem 14. Jahrhundert

Der herausragende Fund aus dieser Zeit ist ein goldener Fingerring mit einer zauberkräftig gedachten Inschrift. Die Namen der Heiligen Drei Könige, hier in der Reihenfolge Jaspar, Baltazar, Melchior, sollten gegen Gefahren auf Reisen schützen sowie gegen Krankheiten. Der Ring lässt sich so mit den bekannten Thebalringen verbinden, deren Träger hohe und höchste Ämter bekleideten.

Außerdem verweist das Stück auf die Stadt Köln, wo die entsprechenden Reliquien aufbewahrt und verehrt wurden. Da die drei Heiligen als Schutzheilige des Reiches galten, und Köln Sitz des Reichskanzlers war, ergeben sich enge Beziehungen des Trägers und Besitzers zu den Spitzen des Reiches. Als ehemalige Besitzer dürften damit die brandenburgischen Markgrafen erschlossen werden.

   

Abb. 5, Der goldene Fingerring, Æ= 2,1 cm, 14. Jahrhundert

 

Neben dem Ring wurde auch noch weiterer Schmuck aus Edelmetall oder z.B. Bergkristall und Reste von Goldbrokatstoff gefunden. Eine Schachfigur aus Knochen, ein Bauer, erinnert an Markgraf Otto IV. , der sich zusammen mit seiner Frau Hedwig im Codex Manesse beim Schachspiel abbilden ließ. Die Funde lassen für diese Zeit die regelmäßige Anwesenheit hochstehender Personen erkennen.

    

Abb. 6, ein Bauer aus einem Schachspiel aus Knochen, Höhe 2,5 cm, 14. Jahrhundert

Abb. 7, Ausschnitt aus dem Codex Manesse, Markgraf Otto IV. beim Schachspielen

 

Abb. 8, ein Weinbecher aus Ton, 14. Jahrhundert

 

Abb. 9, Siedlungsschichten aus zwei Jahrhunderten unter dem östlichen Seitenflügel

 Der wahre Schatz der Untersuchungen sind aber die vielen Scherben von Gebrauchsgeschirr, die Speisereste, die Werkzeuge und die Baudetails, die über das tägliche Leben zwischen dem 13. und 19. Jahrhundert Auskunft geben können. Die Auswertung dieser Funde kann uns viel über die wirtschaftlichen Grundlagen, die überregionalen Verbindungen und die sich wandelnde Umwelt einer mittelalterlichen Burg und eines neuzeitlichen Schlosses verraten. Für die Zukunft ist eine komplette Grabungsauswertung und Publikation der Funde geplant.

Alle Fotos und Pläne Autor: Archäo Kontrakt